„Intelligent Health“-Kongress in Basel – Ein Gespräch mit Lucy Rothwell, Kongressinitiantin und Geschäftsführerin von Inspired Minds

Wie kann Künstliche Intelligenz – oder Artificial Intelligence (AI) – eingesetzt werden, um bei Prävention und Lösung einiger der weltweit grössten Probleme im Gesundheitswesen mitzuhelfen? Im September kamen 1’000 Fachleute aus AI-Forschung und Gesundheitswesen nach Basel, um genau diese Fragen zu diskutieren.

Interview mit Lucy Rothwell, Geschäftsführerin von Inspired Minds

Der von Ihnen konzipierte Kongress “Intelligent Health” fand heuer zum ersten Mal überhaupt in Basel statt. Wie kamen Sie auf Basel?

Wir entschieden uns für Basel aufgrund seines Rufs als ein globales Zentrum für Life Sciences, das reif für technologische Disruption ist. Lokale Unternehmen wie Roche und Novartis waren zudem extrem hilfreich beim Planen und Zusammenstellen von Intelligent Health. Zudem ist Basel auch das Zuhause von einem unserer Schlüsselpartner, der Foundation Botnar – wir sind ihre Fans! Und schliesslich ist das Kongresszentrum Basel ein toller Veranstaltungsort, der alle unsere Bedürfnisse abdeckte.

Wie wird Artificial Intelligence in den kommenden Jahren den Life-Sciences-Sektor verändern?

Faktoren wie eine alternde Bevölkerung und erhöhte Risiken im Kontakt zu Chemikalien durch Nahrungsmittel, Pflege-, Kosmetik- oder Haushaltsprodukte verursachen mehr und neue Krankheiten und Leiden – und damit steigt auch der Druck auf unsere Gesundheitssysteme. Seit Anbeginn der Zeiten können wir allerdings auch auf Innovation als Quelle der Hoffnung auf präventive oder therapeutische Lösungen zählen – und sie hat ein ums andere Mal nicht enttäuscht. Von der Unmenge an Möglichkeiten, die dieses Potenzial noch birgt, haben wir vermutliche gerade Mal die Spitze des Eisbergs entdeckt. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten werden wir Zeugen einer AI-Revolution im Gesundheitswesen und den Life Sciences werden – besonders in Bereichen wie Krankheitserkennung, Radiologie, Screening, Chirurgie, Präzisionsmedizin und Diagnostik.

Was definieren Sie als Expertin in der AI-Entwicklung als historischen Meilenstein?

Das Ziel künstlicher Intelligenz ist “was Menschen tun besser zu tun als Menschen.” Anders gesagt, es geht darum, menschliche Intelligenz in Maschinen zu implementieren, damit diese in der Erledigung von Aufgaben und Problemlösung mehr leisten als Menschen. Deshalb finde ich es jedesmal, wenn eine Maschine einen Menschen in einer Tätigkeit ausspielt, egal ob Schach oder Tumorerkennung, von neuem aufregend. Natürlich wird es immer Handlungen geben, die Maschinen wohl niemals ausführen werden – zum Beispiel in die Augen von leidenden Patienten zu schauen und ihnen aus tiefstem Herzen zuzureden: “Alles wird gut, Sie machen das ganz wunderbar” (obwohl gewisse Entwickler das bereits versuchen).

Mit der DayOne-Initiative unterstützt unsere Region neue Bewegungen und Bestrebungen in Präzisionsmedizin und Digitalem Gesundheitswesen in Basel und der Schweiz. Welche Relevanz sehen Sie in solchen Initiativen und wo lokalisieren Sie Synergien mit Intelligent Health?

DayOne ist eine sehr positive Initiative, die den Schwerpunkt spezifisch auf Präzisionsmedizin legt – und das ist ein Bereich, in dem AI sehr grosses disruptives Potenzial aufweist. Es gibt so viel über AI im Gesundheitswesen zu lernen, dass der Forschungsgemeinschaft und der Gesellschaft am besten gedient wäre, wenn wir gleich ein ganzes Spektrum solcher Initiativen hätten: von breit angelegt, bis zum kleineren oder auch im hochspezifischen Rahmen.

Welche Rolle spielen "Inspired Minds" und “Word Summit AI” für die “Intelligent Health”-Konferenz?

Inspired Minds ist ein vor zwei Jahren gegründetes Unternehmen mit dem Zweck, sicherzustellen und dazu beizutragen, dass AI in einer Art und Weise entwickelt wird, die der Menschheit hilft. Unsere erste Amtshandlung war, die Schlüsselpersonen in unserem Business zu treffen, um eine weltweite AI-Gemeinschaft zusammen zu bringen – bis dato sind wir auf 32,000 Mitglieder aus 78 Ländern gewachsen. World Summit AI und Intelligent Health sind die globalen Versammlungsorte dieser Community – eine tolle Chance für Fachleute aus der ganzen Welt, aus verschiedenen Geschäfts-, Wissenschafts- und Technologiewelten zusammen zu kommen und bahnbrechende Ideen vorzustellen, die in kommenden Jahren zur Anwendung und Umsetzung kommen können.

Warum gehen wir eigentlich immer noch physisch an Kongresse und Konferenzen, wenn wir das doch längst digital und online machen könnten?

Diese Frage ist ähnlich wie die Frage, ob Maschinen Ärzte ersetzen können. Computer und das Internet sind unglaubliche Innovationen, die die Geschäftskommunikation ebenso sehr revolutioniert haben wie die Medizin. Und doch wollen wir die wichtigen Business-Meetings von Angesicht zu Angesicht als am Telefon abhalten; trotzdem geben Unternehmen immer noch jedes Jahr Billionen von Dollars für echte Büroräumlichkeiten aus, anstatt alle Angestellten einfach von zuhause arbeiten zu lassen!

Wir tun das, weil wir immer noch Menschen sind – und aus irgendeinem Grund erfolgt die bereicherndste, dauerhaftigste und bedeutsamste Kommunikation immer noch, wenn wir uns gegenseitig in die Augen schauen, dieselbe Luft einatmen und mit unserem Gegenüber die Umgebung teilen, während wir uns unterhalten – egal, ob das Thema grad die neusten Erkenntnisse in der AI-Forschung oder eine wichtige medizinische Entscheidung ist.

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